Montag, 19. September 2011

Port Morant A.D. Rattray 10 Years

In Anknüpfung eines Beitrags vom Jahresanfang stelle ich nun eine weitere Rumabfüllung von A.D. Rattray vor.


Die Arbeitsweise von diesem unabhängigen Abfüller wurde ja schon erläutert, auch dieses Mal handelt es sich um eine leicht verdünnte Single-Cask Abfüllung mit 46 % Vol. Allerdings wurde mein Wunsch bezüglich eines Cask Strength-Rum wohl doch erhört (vielleicht lag es auch an meiner persönlichen Kommunikation mit Frances Dupuy, dem "Commercial Director" von Rattray - ein sehr aufmerksamer Mann!) und in der seit Mai in Deutschland vertriebenen Pampero-Abfüllung umgesetzt.

Port Morant dürfte einigen bereits von "Bristol", "Renegade" und "Murray McDavid"-Abfüllungen bekannt sein. Man muss dabei penibel unterscheiden: Es gibt - wie beim hier vorliegenden Rum - eine "Port Morant"-Destille in Guyana und eine Stadt namens Port Morant auf Jamaika - in der allerdings auch eine gleichnamige Brennerei betrieben wird.

Wieder 46 % Vol.
Eigentlich wäre diese Unterscheidung etwas einfacher zu treffen, da die in Guyana befindliche Anlage korrekt "Port Mourant" heißen müsste, oftmals aber vereinfacht geschrieben wird.
Früher existierte diese Destille in der gleichnamigen Stadt, dann wurde sie im Rahmen von den Geschäftskonsolidierungen der Demerara Distillers Limited übergeben, welche bis 2000 in Uitvlught produzierte. Dabei handelt es sich übrigens um eine Double Wooden Pot Still! Die Grundkonstruktion ist seit Jahrhunderten gleichgeblieben, lediglich die Holzteile werden sukzessive getauscht.
Es existiert jedoch weiterhin eine Rohrzuckerplantage in Port Mourant (auf der einige bekannte guyanische Cricket Spieler arbeiteten ;- ) ).

Wenn ich die Puzzlestückchen nun also alle korrekt zusammengesetzt habe, ergibt auch die Angabe auf dem Etikett "Distilled In A Port Morant Still At Uitvlught" Sinn. Dies wird von einem sehr lesenswerten Artikel bei "A Mountain Of Crushed Ice" unterstützt, welcher mit einer eindrucksvollen Ablichtung unserer Destille bebildert ist. Zu guter Letzt: Seit 2000 steht diese in Diamond und produziert dort weiter Rum. Somit haben wir hier eine der letzten Abfüllungen vor dem erneuten Ortswechsel vor uns.

Nach so vielen theoretischen Erläuterungen soll es nun endlich um den Brand selbst gehen. Es ist übrigens die Erstlingsabfüllung von A.D. Rattray bezüglich Rums gewesen, danach folgte der schon vorgestellte Caroni, anschließend kam der Pampero.

Port Morant A.D. Rattray 10 Years

Erscheinungsbild: Stroh- bis Goldgelb. Sehr langsame und satte Schlieren, kaum Reflexionen.

Geruch: Süßlich nach Rosinen, leichte Lösungsmittelnote, entsprechend etwas stechend. Überraschenderweise kommen dezent rauchige Noten zum Vorscheinen. Irgendwie erinnert der Tropfen bisher mehr an einen Whiskey als an Rum.

Geschmack: Ziemlich atypisch für Rum. Auf der Zunge sanft brennend und fordernd. Am Gaumen machen sich dann Getreide- und Fruchkompottnoten bemerkbar. Bleibt aber alles ziemlich unbestimmt. Der Abgang ist wieder süßlich, fast schon eine Toffeesüße mit Kaffeearomen. Insgesamt ein langer, wärmender Abgang.

Fazit: Leicht überdurchschnittlicher Rum, der nicht ganz an die Caroni-Abfüllung anknüpfen kann. Geschmacklich sicherlich interessant, angesichts des Preises sind aber anderen Produkte klar vorzuziehen.

Weitergehende Informationen: Abfüller: A.D. Rattray; Alter: 10y; Alkoholgehalt: 46 % Vol.; Fassnr.: 48; Lagerdaten: 23.03.1999-04.09.2009; Ungefährer Preis: 43€ (0.7l)

Ebenfalls: Exklusiv!
Der angestrebte Glücksgriff war es also nicht, aber trotzdem ein sehr interessantes Produkt, bei dem allein schon die bewegte Geschichte der Brennerei beeindruckt.

Für mehr reicht es jedoch nicht, eine Kaufempfehlung auszusprechen wäre übertrieben. Höchstens, um den Anfang einer A.D. Rattray-Serie zu vervollständigen. :-)

Etwas ganz großes wird uns aber aus Venezuela erwarten. Wirklich!

Donnerstag, 1. September 2011

Tot ...

... ist hier direkt noch nichts. Mich gibts noch und Rum mag ich weiterhin sehr gerne. ;-)

In den nächsten Tagen sollte es eine größere Veränderung geben. Man darf gespannt sein!

Freitag, 20. Mai 2011

Zingiba

Wie versprochen widme ich mich nun dem Ingwer-Zitronengras-Likör.


Der Hersteller Kreuzritter ist ein relatives junges Unternehmen, welches ich erstmals durch die "schmierige Verwandtenwerbekampagne" des Herrn Meyers kennen lernte.
Über ihre Anfangsprodukte - Kreuzritter, Dreiling und Herzdame - kann ich kein Urteil abgeben, meine Erfahrungen starteten mit Goldengel. Ein feines, durchaus differenziertes Produkt im Vergleich zu St. Germain, meiner Meinung nach.

Eine natürliche Farbe...
Nun also Zingiba, den ich auf dem gleichen Wege und noch etwas überraschender als Goldengel erhielt.
Die Ankündigung versprach vollmundig "Gemeinsam ergeben Ingwer und Zitronengras einen wunderbar fruchtig-aromatischen Likör". Aber kann das Produkt solch hochgesteckte Anforderungen auch erfüllen?
Vorweg sei gesagt, dass ich bisher keinerlei Erfahrungen mit Ingwer- oder gar Zitronengraslikören gesammelt habe. Jedoch finde ich gerade Ingwer in der Küche höchst interessant, selbstverständlich in Speisen und Getränken. Immer wenn ich für mein selbst hergestelltes Ginger Beer frischen Ingwer reibe - traumhaft, dieser Geruch!
So war ich also auch gespannt, ob ein Likör mir ähnliche Freude bereiten kann.

Zingiba

Erscheinungsbild: Recht klar mit gelblichen Färbungen. Am Glasrand erzeugt der Likör leichte Schlieren, durch die natürlichen Zusätze ist das Getränk so getrübt, dass das Licht sich regelrecht darin verliert und einen "matten Eindruck" hinterlässt.

Geruch: Schon von weitem frischer Ingwer. Schwenkt man das Glas ein wenig offenbaren sich deutliche frische und zitruslastige Aromen, die Lust auf mehr machen.
Geht man noch näher auf den Likör ein, dann bemerkt man sogar Schärfe in der Nase - wohlgemerkt natürliche und keine alkoholische Schärfe. Angenehm!
Dezent schwingen auch noch Aromen nach Erde und ähnlich rauem mit.

Geschmack: Es hat so gut angefangen - lässt hier aber leider nach. Auf der Zunge kommt eine neue Geschmacksrichtung hinzu, die bisher verdeckt geblieben ist und die einigen Likören bereits zum Verhängnis geworden ist: Süße!
Im ersten Moment bemerkt man im Mundraum eine zunächst angenehme Süße, die sich mit der Zeit in ein "klebriges Etwas" wandelt, ohne Differenzierung.
Am Gaumen sieht es ähnlich schlecht aus, das tolle Aroma kann nicht auf den Geschmack hinübergerettet werden. Unspektakulär geschieht so ziemlich gar nichts.
Der nur kurze Abgang kann auch dort nichts mehr herausreißen, denn hier offenbart sich tatsächlich der gewünschte Charakter: Schärfe des Ingwers und eine schön frische Note machen Lust auf mehr. Für mich ist die Schärfe aber etwas schwach geraten und sie klingt nun mal zu schnell wieder ab.

Fazit: Gut gestartet, etwas schwächelnd aufgehört. Leider kenne ich kein Vergleichsprodukt, denke aber, dass für einen ersten Versuch Kreuzritter durchaus zufrieden mit sich sein kann.
Sie stellen geruchlich einen höchst angenehmen Likör her, der geschmacklich nicht ganz überzeugen kann und von der Mixability noch Fragen aufwirft. Zum Purtrinken ist er leider auch nur bedingt geeignet, hier schlägt seine Süße voll durch.

Weitergehende Informationen: Ungefährer Preis: 20€ (0.5l)

Interessant finde ich, dass sich tatsächlich sehr deutlich die "natürlichen Zusätze" im Likör am Boden absetzen. Daher sollte vor dem Genuss auf jeden Fall die Flasche dezent geschüttelt werden.

Der Feinschliff fehlt noch
Potential hat der Likör, ich denke, dass es noch an der Feinabstimmung mangelt.

Momentan habe ich ein grundsolides Produkt vor mir stehen, welches ich noch versuchen werde, in Cocktails passend einzubauen.
Zukünftig steht eventuell ein toller Likör vor mir, mit ausgefallenen, aber angenehmen Aromen- und Geschmacksgrundlagen, der auch pur ausgewogen ist.

Montag, 16. Mai 2011

instrumentalisieren

In der letzten Zeit war ich etwas inaktiver und konnte leider kaum die aktuellen Themen im Barbereich verfolgen. Dadurch verpasste ich auch diesen Blogeintrag über schmierige Verwandtschaftsverhältnisse...

Umso größer war dann die Überraschung, als ein Paketdienst an der Türe klingelte und augenscheinlich einen Karton mit flüssigem Inhalt überreichte.
Freudiges Öffnen bestätigte die Vermutung und warf folgende Fragestellung auf: Bin ich nun komplett ungewollt Teil einer perfiden Werbekampagne geworden und lasse mich durch zukünftige Berichte instrumentalisieren oder ist dies nur eine nette Aufmerksamkeit (schließlich ging keinerlei aktive Handlung meinerseits vorweg), die eine Würdigung verdient?

Die Wahrheit liegt wo so oft in der Mitte, ähnliches gab es bereits beim Sailor Jerrys Blog Battle und beim Goldengel Likör zu diskutieren.
Gerade weil ich nun aber bedacht wurde, ohne mich vorher gemeldet zu haben und in den letzten Monaten den Blog vernachlässigt habe, möchte ich über das Produkt offen sprechen. Feedback gibt es daher über diesen Weg ( und weil ich keinen Facebook-Account besitze und auch nicht vorhabe, mir einen zuzulegen ;-) ).

Bevor es am im nächsten Eintrag damit los geht: Vielen Dank an Kreuzritte / Dr. Susen und Jörg Meyer!

Wie wird er sich schlagen?

Samstag, 8. Januar 2011

Caroni A.D. Rattray 13 Years


Ein wenig außergewöhnlicher wird es auch nun wieder. Den folgenden Rum habe ich per Zufall entdeckt und auf gut Glück gekauft - irgendwie muss man ja schließlich über die "Portofrei-Grenze" bei Onlinebestellungen kommen. ;-)

Leider nur bei 46% Vol. abgefüllt...
Dabei versprachen die beteiligten Akteure schon ein hochwertiges, delikates Produkt.
Caroni ist ein Rumproduzent auf Trinidad, welcher - sofern ich die vorliegenden Informationen denn richtig deute - einige Zeit auch unter eigenem Namen Rum abgefüllt hat, inzwischen jedoch nur noch produziert und seine Destillate dann an Abfüller verkauft. Diese lassen das Produkt anschließend unter ihrem Namen laufen oder nutzen es für Blends.
Ich vermute außerdem, dass man "Rum Distillers of Trinidad & Tobago Limited" mit "Caroni" gleichsetzen darf - die Website lässt zumindest darauf schließen. Eine Nachfrage für gesicherte Erkenntnisse war leider nicht möglich, da das Kontaktformular ins Leere läuft.

A.D. Rattrays Wurzeln gehen bis 1868 zurück, schon damals mit einer ähnlichen Arbeitsweise wie heute. Die Wirtschaftswirren in den 1920er schlugen aber auch hier zu und führten letztendlich zu einem Verkauf des Unternehmens. Erst seit 2004 wird in alter Weise weiter abgefüllt.
Bisher war der zweite Akteur exklusiv im Whiskybereich anzutreffen und hat seine Produktpalette nun um zwei Rums erweitert.
Zwar findet man momentan noch keine weiteren Informationen zum Rum auf der Website des Abfüllers, doch - auf Anfrage per eMail - konnten diese lediglich aus Zeitgründen noch nicht die eingefügt werden.
Keine Angst - so wenig im
Glas ist sonst
unüblich
Zurück zur Arbeitsweise von A.D. Rattray: Das Unternehmen kauft ausgewählte (für sie besonders "interessante") Fässer Whisky/Rum auf und füllt diese ungefiltert, ungefärbt und unverdünnt ab. Der letzte Aspekt unterliegt jedoch einer Einschränkung: Es wurde eine 46%-Serie eingeführt, in der die Destillate entsprechend leicht verdünnt werden.
Auch bei den bisher veröffentlichten Rums trifft diese Einschränkung leider zu. Eine ganze Reihe Rum in Cask Strength wäre auch schon zu nett gewesen...

Genug mit dem Hintergrundwissen, wie schneidet der gute Tropfen denn im Geschmack ab?

Caroni A.D. Rattray 13 Years

Erscheinungsbild: Rötlich-braun bis zur typischen Bernsteinfarbe. Ausgeprägte, "fette" Schlierenbildung. 13 Jahre in Eiche sorgen für ein schönes Auftreten.

Geruch: Die Aromen hängen satt und schwer in der Luft. Überreife (Süd)Früchte, ein wenig frisches Holz und etwas Würziges (Vanille?, Muskat?) schwingt mit.
Insgesamt ausgesprochen sanft, trotz der 46% Vol. fast keinerlei Schärfe. Das Verhältnis süß/trocken ist ausgewogen.

Geschmack: Überraschend! Durchaus kräftig im Geschmack, auf der Zunge eine sehr reiche Süße, Anklänge von geröstetem Karamell. Außerdem tauchen die überreifen Früchte wieder auf.
Der Übergang zum Gaumen erfolgt fast fließend mit einer erstaunlichen Kehrtwendung: Rauch! Eine sanfte, nicht zu stark betonte Rauchnote erfreut die Geschmacksnerven. Würzige Unterstützung erfährt der Rauch von dezent-feinen Tabakaromen. Der mittellange Abgang ist vom abklingenden Rauch geprägt, unterstützt durch etwas dunklen Kakao.

Fazit: Ein faszinierender Rum - er braucht keine übermäßige Stärke um zu überzeugen.
Der Geruch ist fast schon als blumig zu bezeichnen, dafür erfolgt ein schöner Umschwung am Gaumen, welcher genau das Richtige ist, um diesen Rum in Erinnerung zu behalten.

Weitergehende Informationen: Abfüller: A.D. Rattray; Alter: 13y; Alkoholgehalt: 46% Vol.; Fassnr.: RR1074; Lagerdaten: 17.06.1997-22.10.2010; Ungefährer Preis: 43€ (0.7l)

Exklusiv!
Damit kann ich an dieser Stelle eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Wer nun Interesse hat, sollte sich beeilen, denn der Abfüller hat sich nur 5 Fässer gesichert, aus "meinem" kamen gerade mal 372 Flaschen.

Ob das Destillat aus Guyana ebenfalls ein Glücksgriff ist, wird sich bald zeigen müssen. :-)